KLOSTER SANKT PETER BLUDENZ

Die Sanierung

 

Sie befinden sich hier: Kloster Sankt Peter - Die Sanierung - Revitalisierung und Denkmalschutz

Die Revitalisierung des Dominikanerinnenklosters St. Peter

aus denkmalpflegerischer Sicht Von Mag. Georg Mack


Als am 1. Juni 2002 wieder Klosterfrauen aus Cazis in das älteste noch bestehende Kloster Vorarlbergs einzogen, präsentierte sich das Kloster St. Peter in Bludenz in einem zwar bewohnbaren Zustand, aber fern jeglicher heute üblichen Standards. Zur Zeit der NS-Diktatur fand die letzte entscheidende innere Veränderung statt. Nach der Aufhebung 1941 durch die Nationalsozialisten wurde das Kloster zu Schulzwecken umgebaut. Trotz der Wiedereröffnung des Klosters 1945 gab es außer kleinerer Um- und Einbauten kaum weiter bauliche Veränderungen. Anfang der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts wurden sämtliche Fenster ausgetauscht und die Fassaden gestrichen.


Es bestand der allgemeine Wunsch, das Kloster den heute üblichen Wohnbedürfnissen anzupassen und zusätzliche mit dem klösterlichen Leben sich vereinbarende Nutzungen zu finden. Gleichzeitig musste Rücksicht auf den bauhistorischen und künstlerischen Bestand genommen werden. Eine intensive Vorbereitung gemeinsam mit den Schwestern, der Diözese und dem Denkmalamt ging dem Beginn der Arbeiten im Winter 2005/2006 voraus.


Fassaden als größte Herausforderung


Restauratorisch waren vom Volumen als auch von den Kosten die Fassaden die größte Herausforderung. Nach den Umbauten vor 60 Jahren blieb innen nur sehr wenig an barocker künstlerischer Ausstattung erhalten, so das Refektorium mit dem nach Osten anschließenden Raum, das Priorat und zwei Räume bei der Pforte. Die Fassaden erfuhren Anfang der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts eine letzte massive Renovierung. Dabei wurden neue Verbundfenster versetzt und die gesamten Flächen mit einer Art Zementmilch übertüncht. Um die Fenster wurde eine relativ einfache geometrische Dekorationsmalerei in Anlehnung an die barocke gewählt, jedoch ohne Ritzung. Die Aufgabe bestand nun darin, die barocke Oberfläche, von der circa zwei Drittel noch vorhanden war, freizulegen, die in den 70er Jahren aufgebrachten Zementverputze durch bestandsgleiche Kalkverputze zu ersetzen und einen dem historischen Bestand entsprechenden Fenstertypus zu entwickeln.


Die seinerzeitige Fenstererneuerung war derart gründlich, dass kein einziges barockes Fenster erhalten blieb, abgesehen von einzelnen Flügeln im Dachboden. Gestützt auf ältere Aufnahmen war die Grundlage der Typus des Kreuzstockfensters mit Viererteilung in den oberen Flügeln und Sechserteilung in den unteren. Das Setzholz war als Rundstab ausgebildet. Nachdem es sich um die Erneuerung von circa 200 Fenstern handelte, musste ein Weg gefunden werden, der das historische Erscheinungsbild des Fensters und die vorhandenen finanziellen Mitteln berücksichtigte. Das Ergebnis war das Kastenfenster, welches nach Außen den historischen Typus zeigt, die innere Ebene jedoch nur im Refektorium, dem Mehrzweckraum und den Gangfenstern des Erdgeschosses vierflügelig und mit historischen Beschlägen ausgebildet wurde. Alle anderen Fenster wurden innen nur zweiflügelig, aber mit Sprossen geteilt ausgeführt.


Zementputzflächen durch Kalkverputze ersetzt


Bei den Fassaden mit einer Fläche von über 3100 Quadratmetern war ebenso die Respektierung des historischen Bestandes als auch die wirtschaftlichen Aspekte mit einzubeziehen. Durch die Erneuerung der Fenster vor etwa 30 Jahren bestand bis zu einem halben Meter um die Fenster kein Originalputz mehr. Zusätzliche Flächen mit Zementputzen bestanden vor allem an der Westfassade und in den Sockelzonen. So gab es zwei Arbeitsfelder. Eine heimische Verputzfirma ersetzte die Zementputzflächen durch Kalkverputze. Restauratoren legten Originalverputzflächen frei und setzen diese instand bzw. ergänzten Dekorationsteile, vorwiegend um die Fenster. Die plastisch wirkenden linearen Fensterrahmungen und die Kordonbänder waren geritzt. Bei den Fensterrahmungen gab es zwei geringfügig unterschiedliche Dekorationsarten, entsprechend den beiden barocken Bauetappen. Durch die kooperative Zusammenarbeit der beiden Firmen gelang die Restaurierung als auch teilweise Rekonstruktion der barocken Fassaden im Erscheinungsbild als auch in der materialtechnisch historischen Arbeitsweise.


Einen kleinen Einblick in die ehemalige barocke Ausstattung des Klosters bietet das Refektorium. Dort blieben die Türe, der Boden, der repräsentative Kachelofen, ein Lavabo und die Stuckdecke aus dieser Zeit erhalten. Die Füllungstüre war mehrfach überstrichen und zeigt nun nach der Freilegung die ursprüngliche grüne Farbigkeit. Mit dem Nachbau eines historischen Schlosskastens trägt die Türe maßgeblich zum barocken Erscheinungsbild bei. Dieses prägt aber maßgeblich der barocke Kachelofen, welcher neu gesetzt wurde, und das aus schwarzem Bingser Kalkstein gefertigte Lavabo. Auch dieses erfuhr kleinere Ergänzungen bzw. eine gefühlvolle Instandsetzung. Unter einem rezenten Buchenparkettboden lag der originale Kiefernholzboden, welcher ausgebaut, gereinigt und mit Ergänzungen wieder eingebracht werden konnte. Die Stuckdecke des Refektoriums als auch des angrenzenden Mehrzweckraums wurde freigelegt und lasierend mit einer Kalktünche überzogen.


Kassettendecke von Farbschichten befreit


Die Kassettendecke der beiden Räume bei der Pforte und die aufwendige Felderdecke mit Rumpelleisten aus Zirben und Nussholz im Priorat wurden von mehreren Farbschichten befreit und die Naturholzoberflächen regeneriert. Gleiches gilt für die Prioratstüre und fünf auf dem Dachboden gelagerte Nussholztüren mit aufwendig geschnitzten Futterstöcken. Zwei davon sind mit 1714 datiert. Die Prioratstüre wurde restauriert und die im Dachboden gelagerten im Erdgeschoss als Zimmertüren im Anschluss an die Pforte eingebaut.


In den Gängen des Erdgeschosses konnten noch Kalksteinplatten des barocken Bodens freigelegt werden. Es war durch den schlechten Erhaltungszustand und die sicherheitstechnischen Anforderungen nicht möglich die alten Platten an gleicher Stelle wieder zu versetzen. Aus möglichst großflächigen heimischen Kalksteinplatten wurde der gesamte Gangboden des Erdgeschoßes belegt und damit im Zusammenhang mit dem Kreuzgratgewölbe ein harmonischer historischer Raumeindruck hergestellt. In den Gängen der Obergeschosse sowie sämtlichen Zimmern wurden neue Weichholzdielenböden eingebaut, da unter den rezenten Buchenparkettböden keine historischen Böden mehr erhalten waren.


Als aufwändige aber zum Großteil nicht mehr sichtbare Restaurierung erwies sich die statische Instandsetzung bzw. Reparatur der Holzkonstruktion. An vielen Stellen waren die Holzbalkendecken durch die enorme Spannweite und durch Schädlingsbefall geschwächt. Zimmermannstechnisch konnten viele originale Teile repariert werden. Ebenso waren durch eingedrungene Feuchtigkeit an relativ viele Stellen des Dachstuhles Schwachstellen entstanden, die aber ebenso nicht durch Erneuerung sondern durch Ergänzung statisch repariert wurden.


Begleitend mit der Bauführung wurde auch eine archäologische Bauuntersuchung und Dokumentation, die Bauteile bis ins 13. Jahrhundert und eine komplexe Baugeschichte des 17. und 18. Jahrhunderts nachweisen konnte, vorgenommen.

 

Im Pfortenzimmer kommt die Malerei des Wandschranks hervor

Die Kellertüre wird
renoviert

Eingang zur
Kirche Sankt Peter

Der Typus der Kreuzstockfenster war die Grundlage der Fenstererneuerung

Die rund 700 Jahre alte Mauer im Kellergang

Restaurierung der wertvollen
Holzdecke im Priorat