KLOSTER SANKT PETER BLUDENZ

Die Sanierung

 

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Auch alte Balken haben ihre eigene Geschichte. Die jahresringanalytische

Untersuchung wirft Licht auf die Baugeschichte Von Mag. Klaus Pfeifer


Ergänzend zur in den Jahren 2006/07 durchgeführten Renovation des Dominikanerinnenklosters St. Peter in Bludenz wirft die vorliegende begleitende jahrringanalytische Untersuchung einerseits ein Licht auf die spätmittelalterliche Baugeschichte der Klosteranlage.


Andererseits sind die zeitlichen Anhaltspunkte der Bauaktivitäten und deren Ausmaß in der Renaissance um die Mitte des 16. Jahrhunderts als auch im Barock des frühen 18. Jahrhunderts konkret fassbar.


Die systematische Befundung konzentriert sich auf baugefügerelevante hölzerne Einbauten des nordost-/südwestorientierten Bautraktes 1 (u. a. Klosterpforte, ehemalige Hostienbäckerei) sowie des nordwest-/südostausgerichteten Bautraktes 2, der Küche und Refektorium aufnimmt und in dem aktuell auch der Schwesternund Gästetrakt eingerichtet sind. Im engeren Sinn handelt es sich in Bautrakt 1 auf der Erdgeschossebene um Material der Bodenaufbauten in den zwei Zimmern nordöstlich der Pforte sowie den Räumen südwestlich des «Orgelraumes» (2. Obergeschoss). In Bautrakt 2 liegt der Schwerpunkt, den vermuteten Baufugen und Bauphasen folgend, im Refektorium bei Hölzern früher Böden, die im Zuge der archäologischen Grabung (Ardis 2006) zu Tage traten, den Tragbalken der Erdund 1. Obergeschossdecken sowie bei Bauteilen der Dachstuhlkonstruktionen.


Zum derzeitigen Stand liegen für über 50 Bohrkerne und Kappstücke (Artenspektrum: Fichte, Tanne und Kiefer) dendrochronologische Datierungen vor.


Im Probenkollektiv zeichnen sich zeitlich gestaffelt vier Gruppen ab. Die beiden ältesten der Jahre 1348/49 sowie 1551/52 leiten sich aus den Holzkohlefragmenten der Brandschuttverfüllung über dem Kellergewölbe im Bereich des Refektoriums bzw. aus Proben der direkt darüber folgenden Holzbodenkonstruktion ab. Da befundete verkohlte Unterzugsbalken direkt im Mörtel des Kreuzgratgewölbes eingebettet lagern, ist nach dem Fälldatum im Winterhalbjahr 1348/49, bei schlagfrischer Weiterverarbeitung der Kiefernstämme, frühestens 1349 mit der Einwölbung dieses Kellerraumes zu rechnen.


Die Tonnen des Gewölbes laufen allerdings stumpf an eine ältere Putzoberfläche der nordöstlichen Kellermauer unter dem Refektoriumsofen - dies ist ein indirekter Hinweis auf die überbauten Reste der Klostergründung um 1286.


Laut Chronik zerstörte am 5. Februar 1552 ein Feuer große Teile der Klosteranlage. Der Brandschutt samt Beifunden zeugt somit von dieser Katastrophe. Die jüngsten Schlagdaten der Fichten für die im Rahmen der Instandsetzung verarbeiteten Bodenbretter fallen ins zeitige Frühjahr 1552. Demzufolge dürften zumindest die baulichen Sicherungsmaßnahmen an der Brandruine schon kurz nach der Katastrophe erfolgt sein.


Die weiteren dendrochronologisch ermittelten Bauteildaten im Zeitraum 1706/07 bis 1708/09 (Bautrakt 1) und 1720/21 (Bautrakt 2) decken sich ebenso mit den schriftlichen Quellen.


Bei der Errichtung des dreigeschossigen Bautraktes 1 mit 21-achsiger Nordwestfassade und Klosterpforte ab dem zeitigen Frühjahr 1707, wurde im Pfortenbereich auf Erdgeschossniveau auf früher, im Winterhalbjahr 1704/05 geschlägertes Bauholz zurückgegriffen. Der Baukörper schafft Richtung Südosten (Arlberg) den Anschluss an das bereits bestehende, 1613 unter Priorin Apollonia Walser und 1657 unter Clara Zürcher erweiterte Klostergebäude.

Die Bautätigkeiten ab 1721 betreffen den kompletten Neubau auf der Basis des Altbestandes ab dem Abbruchbereich um die 5. Fensterachse der südwestlichen Außenfassade (Bautrakt 2) mit der Ausdehnung des Erweiterungsbaues von 1613 sowie die Errichtung des aktuellen Pfetten-Sparrendaches mit zweifachem Kehlgebälk und doppelt liegendem Stuhl.

Bohrkern-Entnahme ...

... als Schlüssel zur Baugeschichte

Abbund am Bug «10 Stiche» des 10. Binders im Dachwerk von 1721

Verkohltes Balkenfragment mit Waldkante (1348)